Yoann Ignatiew
General Partner, Head of International Equity and Diversified
Während die Federal Reserve (Fed) in ihrer letzten Intervention den Status quo beibehielt und die Zinssätze im Bereich von 5 % bis 5,25 % belassen hat, haben die australische und die kanadische Zentralbank entgegen allen Erwartungen ihre Zinssätze auf den höchsten Stand seit 11 bzw. 20 Jahren erhöht.
In Europa wird für Juli eine Zinserhöhung um 25 Prozentpunkte erwartet, so dass die Leitzinsen in der Eurozone auf 3,75%-4,50% steigen würden(2). Obwohl die Gesamtinflation deutlich zurückging, fiel die Kerninflation hartnäckiger aus, wobei der Arbeitsmarkt vorerst offenbar nicht an Robustheit verliert. Das Vertrauen der privaten Haushalte und der Unternehmen in das konjunkturelle Umfeld fiel in den einzelnen geografischen Zonen uneinheitlich aus. In den USA zog das Vertrauen der privaten Haushalte überraschend stark an und verzeichnete den höchsten Stand seit Januar 2022. Doch 69% der Befragten gehen noch immer von einem Rezessionsszenario in den kommenden 12 Monaten aus(3). In Europa lag der IFO-Geschäftsklimaindex(4) unter den Erwartungen. Dies traf auch auf den jüngsten PMI-Index für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland zu, der auf 41 Punkte fiel(5).
China zog die allgemeine Stimmung mit seinen noch immer durchwachsenen Konjunkturdaten besonders stark in Mitleidenschaft. In puncto Binnenkonsum stiegen die Reiseausgaben der Bevölkerung während der „Goldenen Woche“ um 19% im Vergleich zu 2019, während die persönlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Reisen 10% niedriger lagen(6). Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe sanken auf 48,8 Punkte. Der Dienstleistungssektor befand sich mit 53,9(7) Zählern zwar noch in der Expansionszone, signalisierte im Juni jedoch eine Verlangsamung. Trotz des düsteren Umfelds ist eine Exposure in China aus unserer Sicht weiterhin empfehlenswert. Die Regierung hat ihre Reformrhetorik offenbar zurückgestellt, um sich auf das Wirtschaftswachstum des Landes zu konzentrieren. Mit Blick auf die Unternehmen sind die Bewertungen chinesischer Aktien derzeit besonders attraktiv. Neben unserer generellen Positionierung in dieser Zone halten wir vor allem Konsumtitel, da die Sparquote in der Region hoch ist. Im Quartalsverlauf beschränkten wir den Verwässerungseffekt und investierten hierzu in geringerem Umfang in Titel wie Ping An, Alibaba, Trip.com oder Country Garden Services.
Angesichts der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen, der globalen Verlangsamung, der anhaltenden geopolitischen Spannungen und der Haushaltsdefizite der lokalen Regierungen bleibt die Sicherung der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in China eine bedeutende Herausforderung. Die Wiederaufnahme des Dialogs mit den USA, der vorhandene Spielraum aufgrund der niedrigen Inflation und der erklärte Wille der Regierung, die Wirtschaft zu unterstützen, sind jedoch Faktoren, die die Attraktivität der Region unterstreichen.
Im zweiten Quartal 2023 leistete der Technologiesektor den größten positiven Beitrag zur Wertentwicklung des Fonds, was vor allem auf Titel wie Meta Platforms und Uber zurückzuführen war. Die Aktienkurse von US-Tech-Megakap-Titeln legten kräftig zu und profitierten von der Dynamik der Kapitalströme, da sich die Anleger zunehmend auf Unternehmen mit soliden Gewinnen konzentrierten. Darüber hinaus haben die Kostensenkungen der letzten Monate und eine größere Haushaltsdisziplin zu einer Verbesserung der Gewinnmargen geführt.
Die Branche erfuhr auch eine Unterstützung durch das Thema künstliche Intelligenz, wobei der Markt die Unternehmen, die in diesem Bereich positioniert waren, teilweise überschwänglich belohnte. Wir haben uns größtenteils von dieser Dynamik tragen lassen und nur unsere Beteiligung an Meta Platforms am Rande reduziert (Analog unserer Gewinnmitnahmetsrategie)
Im Verlauf des Quartals verzeichneten Industrieunternehmen, insbesondere europäische, ebenfalls eine starke Performance, obwohl die PMIs für das produzierende Gewerbe rückläufig waren. Ihre Fähigkeit, ihre Margen in einem inflationsbedingten Umfeld zu halten, solide Auftragsbestände und ein Aufholeffekt nach einem besonders schwierigen Jahr 2022 trugen zur Erholung des Sektors im Quartalsverlauf bei. Angesichts dieser Entwicklungen konzentrierten wir uns hauptsächlich auf die Reduzierung von Titeln wie Airbus, Abb oder AirLiquide. Ziel war die Reduzierung unseres Engagements in zyklischen Werten und die Mitnahme von Gewinnen bei Titeln, die seit Jahresbeginn deutlich an Wert gewonnen haben. In diesem Zusammenhang reduzierten wir auch unser Exposure im Rohstoffsektor, indem wir den Bergbaukonzern Teck Resources verkauften.
Das Interesse einiger Anleger an bestimmten Titeln aus dem Technologiesektor ging zu Lasten defensiverer Sektoren wie dem Gesundheitswesen, das im Berichtszeitraum zu den schwächsten Werten des Fonds zählte. Unsere Positionen im Unterhaltungsund Dienstleistungssektor wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere die Position in Walt Disney, die aufgrund der Rentabilität ihres Videoon- Demand-Segments unter Druck geriet.
Im Rahmen der R-co Valor Strategie haben wir bis Ende Juni das Aktienexposure auf 73% reduziert und sind somit einer Entwicklung gefolgt, die wir bereits begonnen haben.
Die restliche Allokation von 27% ist in Geldmarktfonds, französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von unter 1 Jahr und in geringerem Umfang in Barmittel investiert(8).
Angesichts der allmählichen Verlangsamung der Volkswirtschaften weltweit, des instabilen geopolitischen Umfelds, des erschwerten Zugangs zu Krediten und der noch immer fragilen Erholung Chinas halten wir an einer eher vorsichtigen Positionierung fest. Die Aktienrisikoprämie nimmt insbesondere in den USA ab. Sollte die Berichtssaison im zweiten Quartal 2023 eine ähnlich positive Qualität wie im ersten Quartal aufweisen, könnten die Aktienmärkte weiterhin zulegen. In einem solchen Szenario werden wir unsere Gewinnmitnahme-Strategie fortsetzen und unsere Positionen vor dem Hintergrund einer Verlangsamung des makroökonomischen Umfelds reduzieren. Zusätzlich halten wir Geldmarktpapiere mit Renditen von über 3 % als geeignete Halteposition(9). Diese bieten attraktive Renditen sowohl in absoluten Zahlen als auch im Vergleich zu kurzfristigen Unternehmensanleihen.
Ende Juni lag die Aktienexposure des R-co Valor Balanced bei 37%, die Anleihenkomponente bei 52%, der Rest entfiel auf Geldmarktinstrumente und Barmittel(10).
Das Aktienexposure des R-co Valor Balanced entspricht der Allokation des R-co Valor. Daher sind die vorgenommenen Transaktionen und die Positionierung der beiden Fonds identisch.
Anleihenanteil
Nach einer gewissen Beruhigung in der ersten Jahreshälfte zogen die Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks wieder an. So stiegen die Renditen 10-jähriger US-amerikanischer und deutscher Staatsanleihen jeweils um 30 Basispunkte (bp) auf 3,8% und 10 bp auf 2,4%(11). Bei Unternehmensanleihen schlossen Investment Grade(12)-Anleihen das Quartal mit einem Plus von 0,44%, während High Yield(13)-Papiere 1,84% höher rentierten(14). Der Fonds erzielte im Berichtsquartal eine Performance von +1,52%. Analysiert man die einzelnen Anlageklassen, leisteten Aktien dank der Positionierung im Technologie- und Industriesektor einen Beitrag von rund 60% zur Gesamtperformance. Das Anleihenportfolio beflügelte die Performance und leistete im Berichtszeitraum einen Beitrag von 40% (15).
Nach einem besonders schwierigen Jahr 2022 bietet der Rentenmarkt noch immer echte Chancen. Wir nutzen die hohe Widerstandsfähigkeit von Hochzinsanleihen für eine allmähliche Reduzierung dieses Segments im Vorfeld der für 2024-2025 erwarteten Refinanzierungsprobleme. Da das Ende des Zinserhöhungszyklus absehbar ist, haben wir die Duration allmählich erhöht. Entsprechend positionierten wir uns in Bundesanleihen mit 20-jähriger Laufzeit. Außerdem bevorzugen wir Investment-Grade-Anleihen mit etwas längeren Laufzeiten als zuvor und attraktiven Renditen – beispielsweise Senior- Finanzanleihen.
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