Yoann Ignatiew
General Partner, Head of International Equity and Diversified

Das erste Quartal 2026 war geprägt von einem abrupten Regimewechsel. Nach einem Jahresauftakt, der noch von geografischen und sektoralen Umschichtungen zugunsten risikoreicher Anlagen getragen wurde, kam es im März zu einem Umschwung an den Märkten hin zu einem Umfeld, das von Energie, Geopolitik und einer Neubewertung des Inflationsrisikos dominiert wurde.
Im Januar und Februar blieb die Entwicklung noch konstruktiv. Vor dem Hintergrund wachsender Zweifel am KI-Zyklus, eines schwächeren Dollars und politischer Unsicherheiten in den USA verlagerten sich Kapitalflüsse verstärkt in Schwellenländer, nach Europa, Japan und allgemein in entwickelte Märkte außerhalb der USA. Gegen Ende dieses Zeitraums wurde dieses Bild jedoch durch zunehmende Spannungen im Nahen Osten erschüttert, was die Risikoaversion und die geopolitische Risikoprämie wieder ansteigen ließ.
Der Wendepunkt kam im März mit einem massiven exogenen Schock: der Blockade der Straße von Hormus. Dieses Ereignis stellte die Karten auf dem Energiemarkt schlagartig neu und wirkte sich in der Folge auch auf Inflationserwartungen und geldpolitische Perspektiven aus. Der Brent-Ölpreis stieg im Monatsverlauf um 63,3 % und erreichte Ende März ein historisch hohes Niveau. In der Folge wurden die Zinserwartungen deutlich nach oben korrigiert: Ausgehend von Zinssenkungserwartungen zu Jahresbeginn rechnet der Markt nun mit zwei bis drei Zinserhöhungen der EZB und kein bis maximal einer Zinserhöhung durch die Fed. Dieser Regimewechsel führte zu steigender Volatilität, höheren langfristigen Zinsen und einer allgemeinen Neubewertung von Risiken. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen stiegen deutlich (Bund etwa 3,1 %, US-Staatsanleihe rund 4,3 % Ende März1), während der Dollar wieder als sicherer Hafen gefragt war.
Bemerkenswert in dieser Stressphase: Der Goldpreis fiel seit Anfang März, belastet durch die Dollarstärke und technische Verkäufe zur Deckung anderer Verluste. China blieb im bisherigen Verlauf des Konflikts relativ im Hintergrund und scheint aktuell vergleichsweise gut durch die Situation zu kommen, während die USA zunehmend an Glaubwürdigkeit verlieren. Das Reich der Mitte tritt derzeit eher als stabilisierender Faktor auf der internationalen Bühne auf.
Die Aktienmärkte beendeten das Quartal in diesem Umfeld insgesamt im Minus. Bis Ende März verzeichnete der MSCI ACWI ein Minus von 3,2 % seit Jahresbeginn. Europa verlor 4,6 % (Euro Stoxx 50), insbesondere durch die schwache Entwicklung im März, während die USA um 4,4 % nachgaben (S&P 500)1. Auch die Schwellenländer korrigierten gegen Quartalsende, lagen jedoch insgesamt nahezu auf dem Ausgangsniveau (+0,5 % für den MSCI Emerging Markets)1.
R-co Valor verlor im ersten Quartal 4,3 % (Anteilsklasse C EUR). Die Entwicklung verlief zweigeteilt: ein solider Jahresbeginn, gefolgt von einer deutlichen Korrektur im März, verstärkt durch besonders heftige Sektorrotationen. Über das gesamte Quartal hinweg belasteten vor allem Technologie- und Luxuswerte die Performance. Der Technologiesektor litt insbesondere unter seiner Schwellenländerkomponente, während Luxuswerte – vor allem LVMH und Richemont – unter schwächeren globalen Nachfrageaussichten standen.
Regional gesehen war Asien ohne Japan der größte Belastungsfaktor. Dagegen wirkten Rohstoffe – insbesondere Bergbau- und Energiewerte – stützend, begünstigt durch höhere Metall- und Energiepreise. Auch Industrieunternehmen, vor allem in Nordamerika, entwickelten sich positiv, etwa Honeywell und Bombardier.
Die Aktienquote von R-co Valor wurde im Quartalsverlauf von 72 % auf 76 %2 erhöht. Dies erfolgte auf zwei Wegen: erstens durch aktives Management bestehender Positionen. Insbesondere durch Aufstockungen bei als überverkauft eingeschätzten europäischen Unternehmen wie Capgemini, Richemont, LVMH und Ferrari sowie bei mehreren Schwellenländerwerten wie Grab, Alibaba, Kingdee, MercadoLibre, Tencent und Xiaomi. Zusätzlich wurden Positionen im nordamerikanischen Gesundheitssektor (Thermo Fisher, Medtronic, BioMarin) sowie im Kupfersektor (Ivanhoe Mines, Freeport McMoRan) angepasst. Und zweitens durch neue Investments, darunter Lonza (Schweiz, Auftragsfertigung im Pharmabereich), NovaGold (Goldminenprojekt in Alaska) und HDFC Bank (Indien), um die Positionierung in den Schwellenländern zu stärken.
Parallel dazu wurden Positionen reduziert, vor allem zur Gewinnmitnahme – unter anderem bei Minenwerten (Newmont, Ivanhoe) sowie bei Gesundheitswerten (Pfizer, Roche). Auch nordamerikanische Titel wie Morgan Stanley, Bombardier und AES wurden teilweise abgebaut.
R-co Valor Balanced weist eine Aktienquote von 40 % und eine Anleihenquote von 49 % auf, der Rest entfällt auf Geldmarktanlagen2. Der Fonds erwies eine Korrektur von 2,8 % seit Jahresbeginn, hauptsächlich belastet durch die Aktien-, aber auch durch die Anleihenseite2.
Die Aktienallokation entspricht der von R-co Valor, einschließlich Positionierung und Transaktionen.
Die Anleihemärkte waren im Quartal von hoher Volatilität geprägt – mit einem Wechsel zwischen inflationsbedingtem Aufwärtsdruck auf die Renditen und Fluchtbewegungen in sichere Anlagen. Im März kam es schließlich zu einem deutlichen Renditeanstieg sowohl in den USA als auch in Europa. Besonders kurzfristige Laufzeiten waren betroffen, da Zinssenkungserwartungen deutlich zurückgenommen wurden.
Zehnjährige Staatsanleihenrenditen stiegen ebenfalls stark an: Der Bund erreichte mit 3,1 % den höchsten Stand seit 2011, US-Staatsanleihen lagen bei 4,3 %1. Unternehmensanleihen im Euroraum entwickelten sich negativ (Investment Grade3 −1 %1, High Yield4 −1,7 %1).
Die Anleihequote wurde auf 49 %2 erhöht. In den ersten beiden Monaten nutzte der Fonds eine rege Emissionstätigkeit zur Teilnahme am Primärmarkt, insbesondere bei Finanzwerten. Bestimmte Segmente, etwa nachrangige Finanzanleihen, bleiben aufgrund solider Fundamentaldaten attraktiv. Im März ging die Emissionstätigkeit stark zurück, weshalb Käufe verstärkt am Sekundärmarkt erfolgten.
Die Modified Duration wurde auf 4,7 erhöht, hauptsächlich über Futures auf die deutsche 2-jährige Anleihe, was eine flexible Steuerung ohne zusätzliche Kreditrisiken ermöglichte.
Die Lehre dieses Quartals ist eindeutig: Wenn Energie und Geopolitik dominieren, verschlechtert sich die makroökonomische Sichtbarkeit schnell. Der Monat März markierte einen Wendepunkt, der nicht nur die Aktienmärkte, sondern vor allem die vorherrschenden makroökonomischen Annahmen infrage stellte. Die zuvor erwartete Inflationsabschwächung und geldpolitische Lockerung wurden innerhalb weniger Tage revidiert.
Für die kommenden Monate sind drei Faktoren entscheidend: • die Weitergabe des Energieschocks an Inflation, Margen und Konsum, • die Reaktion der Zentralbanke, • die Berichtssaison, die weiterhin als Stabilitätsanker dienen kann
Die Gewinnerwartungen, insbesondere in den USA mit prognostizierten +17 % für 20261, sind derzeit sehr hoch.
Die Visibilität bleibt insgesamt gering. In diesem Umfeld basiert unser Ansatz auf Disziplin, klaren Prinzipien und der Fähigkeit, Chancen zu nutzen. Die strategische Ausrichtung bleibt langfristig. Die jüngsten Anpassungen zielten darauf ab, Überzeugungen zu stärken, insbesondere in Schwellenländern und bei Qualitätsunternehmen in Europa. Nach jüngsten Gewinnmitnahmen erscheinen bestimmte Segmente nun wieder attraktiv.
In einem von Emotionen und Uneinheitlichkeit geprägten Markt bleibt es entscheidend, rational zu agieren und gezielt dann zu investieren, wenn Korrekturen echten Mehrwert schaffen können.