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Vierteljährliche Strategie Q2 2025 - R-co Valor & R-co Valor Balanced

Strategie  —  09/07/2025

Yoann Ignatiew

General Partner, Head of International Equity and Diversified

Charles-Edouard Bilbault

Global Equities Portfolio Manager

Philippe Lomné

Fixed Income Portfolio Manager Specialisation: IG Credit IG & Crossover

Vom Zollchaos zur Börseneuphorie

Das zweite Quartal war geprägt von einer zweigeteilten Marktentwicklung. Zu Beginn des Quartals, insbesondere im April, zeigten sich die Märkte äußerst nervös, was in einer abrupten Korrektur mündete. Auslöser waren unter anderem die Ankündigungen neuer Handelsbarrieren im Rahmen des sogenannten „Liberation Day“ 1 sowie erneute politische Kehrtwenden von Präsident Trump. Der Volatilitätsindex VIX2 erreichte mit 52 % seinen höchsten Stand seit März 2020 und lag damit sogar über dem Niveau zu Beginn des Ukraine-Konflikts 3.
Eine 90-tägige Waffenruhe brachte den Märkten schließlich die dringend benötigte Atempause. Die darauffolgende Stabilisierung, zusammen mit der Ankündigung zweier Handelsabkommen mit Großbritannien und China, belebte die Risikobereitschaft der Anleger. In der Folge erreichten einzelne Indizes neue historische Höchststände und übertrafen teils sogar die bisherigen Hochs von März 2025. Privatanleger in den USA blieben als Käufer weiterhin aktiv, während systematische Fonds, die im April ihre Aktienquoten wegen der erhöhten Volatilität reduzieren mussten, ihre Liquidität wieder investierten. Der S&P 500 verzeichnete im Quartal einen Anstieg von 10,8 % 3 – erneut getragen von Technologiewerten, wobei die sogenannten „Magnificent 7“ 4 um 20,4 %3 zulegten. In Europa fiel die Erholung verhaltener aus: Der Euro Stoxx 50 stieg lediglich um 2,7 % 3, da geopolitische Unsicherheiten und offene Handelsfragen weiterhin auf die Stimmung drückten. Positive Impulse kamen aus Asien, insbesondere durch Signale der chinesischen Regierung für mehr Offenheit gegenüber dem Privatsektor sowie ein erstes Handelsabkommen mit den USA, was den Hang Seng Index um 5,7 % 3 steigen ließ.

R-co Valor

Der Fonds R-co Valor schloss das zweite Quartal mit einem Plus von 2,0 % 5 ab. Trotz der Abwertung des US-Dollar waren insbesondere die Positionen im US-Aktienmarkt der Haupttreiber der positiven Entwicklung, flankiert von Beiträgen aus Lateinamerika und Kanada. 

Der Anstieg der US-Märkte vollzog sich in einem Umfeld wachsender Zuversicht: Die Märkte gingen zunehmend davon aus, dass die angedrohten Handelszölle vom „Liberation Day“, welche die globalen Handelsbarrieren auf das höchste Niveau seit 1930 3 gehoben hätten, nicht in Kraft treten würden. Ein solches Szenario hatte der IWF bereits im April dazu veranlasst, seine Prognose für das US-BIP-Wachstum auf 1,8 % zu senken, was außerhalb der Pandemieperiode dem niedrigsten Wert seit der Finanzkrise von 2008 entspricht. Allerdings könnte die verbreitete Zuversicht in Selbstzufriedenheit umschlagen: Die Märkte zeigten sich zuletzt wenig beeindruckt von der Eskalation der Spannungen zwischen den USA und Iran und unterschätzten dabei mögliche Risiken für die Energiepreise oder die Profitabilität europäischer Unternehmen.

Europa bleibt darüber hinaus durch anhaltende Unsicherheiten im Handel belastet, da Präsident Trump wiederholt mit Zöllen gegenüber einzelnen EU-Staaten drohte. Die transatlantischen Verhandlungen kommen nur schleppend voran, da der EU eine einheitliche Verhandlungsposition fehlt und divergierende Interessen eine klare Linie erschweren. 

Im Zuge der institutionellen Vertrauensverluste in den USA verlor der Dollar weiter an Wert und verzeichnete mit rund -12 %3 gegenüber dem Euro seine schwächste Halbjahresentwicklung seit 1973.

China hingegen setzte mehrere Maßnahmen zur Stabilisierung der eigenen Wirtschaft um: Eine gezielte Abwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar, eine Leitzinssenkung im April sowie die Lockerung der Mindestreservesätze der Banken zur Förderung der Kreditvergabe sollten die Binnenkonjunktur stützen. Erste Erfolge zeigten sich im Juni, als der Einzelhandelsumsatz mit +6,4 % gegenüber dem Vorjahr3 den höchsten Wert seit Dezember 2023 erreichte.

Sektor- und Portfolioausblick

Zu den größten positiven Beiträgen innerhalb des Fonds zählten Finanz-, Technologie- und Rohstoffwerte, namentlich Coinbase, Uber sowie Unternehmen aus dem Kupferbergbau. Belastend wirkten sich hingegen die Sektoren Luxusgüter und Gesundheit aus, die weiterhin unter Unsicherheiten im internationalen Handel und regulatorischen Entwicklungen litten.
Zum Quartalsende lag die Aktienquote des Fonds bei 77 %5. In einem von hoher Volatilität geprägten Umfeld wurde im zweiten Quartal ein taktischer, opportunistischer Ansatz verfolgt. Anfang April wurden zwei Rückkaufprogramme über insgesamt 2,5 % des Fondsvolumens aufgelegt5, zusätzlich zum Programm vom März. Parallel dazu wurden gezielt Positionen aufgestockt, sodass die Aktienquote in der ersten Aprilwoche auf 79 % anstieg, nachdem die Märkte eine risikoadäquatere Bewertung der Unsicherheiten vorgenommen hatten.
Im Luxussegment wurden Engagements in LVMH und Richemont ausgebaut, ebenso wie bei Finanzwerten (Huntington Bancshares, Citigroup). Weitere Aufstockungen erfolgten in den Bereichen Industrie, Technologie, Gesundheit und Schienenverkehr, ohne spezifische geografische Präferenz. Besonders Augenmerk lag auf Titeln, die im Zuge der Handelsstreitigkeiten übermäßig abgestraft wurden, wie Bombardier oder die aus Sicht des Fonds zu Unrecht in Mitleidenschaft gezogen worden waren, wie Grab und Meta.

Im Rohstoffbereich wurden Gewinne aus Agnico Eagle in Freeport McMoRan und Ivanhoe Mines umgeschichtet, um die Kupfer-Position zu stärken. Im Mai wurden teilweise Gewinne bei Uber und MercadoLibre realisiert, während Chancen im Gesundheitssektor (Thermo Fisher, Medtronic, Pfizer) und im Energiebereich (AES) genutzt wurden. Im Juni wurden Positionen in Meta, Coinbase und Walt Disney reduziert, während zugleich Zukäufe im Gesundheitssektor (Thermo Fisher, Biomarin) sowie im Luxusbereich (LVMH) erfolgten. Die Position in Ivanhoe Mines wurde trotz eines temporären Produktionsstopps ausgeweitet, um die langfristige Kupfer-Position weiter zu festigen.

In Anbetracht der aktuellen Marktverfassung bleiben wir bei unserer selektiven Herangehensweise und wägen Investitionschancen kritisch ab, da viele Bewertungen eine optimistische, teils selbstgefällige Sicht auf bestehende geopolitische Risiken widerspiegeln. Unsere traditionell hohe Liquiditätsquote von rund 23 % 5 hilft, Volatilität im Portfolio abzufedern und Opportunitäten gezielt zu nutzen. 

R-co Valor Balanced

Der Fonds R-co Valor Balanced wies zum Quartalsende eine Aktienquote von 43 % und eine Anleihenquote von 52 % auf; der verbleibende Teil entfällt auf Kasse und geldmarktnahe Anlagen 5. Im zweiten Quartal erzielte der Fonds eine Performance von 2,0 % 5.

Aktiensegment

Das Aktiensegment von R-co Valor Balanced entspricht dem des Fonds R-co Valor. Sowohl die vorgenommenen Anpassungen als auch die Positionierung sind identisch.

Anleihesegment

Die US-Geldpolitik bleibt angesichts haushaltspolitischer und geopolitischer Spannungen weiterhin in der Schwebe. Die US-Notenbank Fed ließ ihre Leitzinsen unverändert in der Spanne von 4,25 % bis 4,5 % 3. Fed-Chef Jerome Powell betonte die Notwendigkeit, die Auswirkungen der angekündigten Handelszölle auf Inflation und Wachstum präziser zu bewerten, bevor weitere Anpassungen vorgenommen werden.
In der ersten Aprilwoche sorgten Befürchtungen einer zollbedingten Rückkehr des Inflationsdrucks sowie scharfe Kritik von Präsident Trump an der Fed für einen starken Anstieg der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen, die ihren kräftigsten Wochenanstieg seit November 2001 verzeichneten. Parallel dazu wurde im US-Senat der republikanische Haushaltsentwurf „One Big Beautiful Bill“ vorangetrieben. Dieser sieht eine Verlängerung der Steuersenkungen von 2017 vor und könnte laut dem Congressional Budget Office (CBO) das Haushaltsdefizit bis 2034 3 um 3,3 Billionen US-Dollar ausweiten. In der Folge würde die Staatsverschuldung gemessen am BIP auf 124 % 3 steigen, 7 Prozentpunkte über den Schätzungen vom Januar.
Vor diesem Hintergrund herabgestufter fiskalischer Aussichten hat Moody’s das US-Rating auf Aa1 gesenkt und sich damit den Abstufungen von Fitch und S&P angeschlossen. Die Anleihemärkte reagierten umgehend: Die Renditen von 30-jährigen US-Treasuries stiegen zeitweise wieder über 5%3. Die Zinssenkungserwartungen wurden deutlich nach unten revidiert: Statt vier werden nun nur noch zwei Zinsschritte bis Ende 2025 eingepreist, da die Märkte von einer moderateren Belastung durch Handelszölle, aber auch von einer Eintrübung der US-Arbeitsmarktdaten ausgehen.

 In Europa hat die EZB ihre Leitzinsen zweimal gesenkt und den Einlagenzins auf 2,0 %6 zurückgeführt, da die Inflation aus Sicht der Notenbank inzwischen unter Kontrolle ist. Deutschland hat mit der Verabschiedung eines Investitionspakets über 847 Milliarden Euro bis 2029 einen Bruch mit der haushaltspolitischen Orthodoxie vollzogen. Die Staatsverschuldung wird dadurch auf 82 % des BIP3 steigen, rund 20 Prozentpunkte mehr als 2024.

An den Märkten führte der Rückgang der Volatilität zu einer deutlichen Einengung der Risikoprämien. Der iTraxx Crossover, Barometer für Hochzinsanleihen, sank von über 400 Basispunkten im April auf 283 Basispunkte Ende Juni3. Im Primärmarkt war das zweite Quartal von hoher Emissionstätigkeit geprägt: Unternehmen nutzten das günstige Umfeld verstärkt zur Refinanzierung. Besonders hervorzuheben ist der Monat Juni mit einem Emissionsvolumen von rund 65 Milliarden Euro bei Non-Financial Corporates – deutlich mehr als im Vorjahr (39 Milliarden Euro) und einem der höchsten Werte historisch betrachtet. Diese Dynamik führte zu einer weiteren Einengung der Neuemissionsspreads, insbesondere im Bereich Investment Grade7, mit einer durchschnittlichen Überzeichnung von 3,3-fach, was den anhaltend hohen Appetit der Investoren belegt. Auch der High-Yield-Markt8 war sehr aktiv und verzeichnete ein Rekordvolumen von 22,4 Milliarden Euro im Juni, wobei ein großer Anteil der Neuemissionen im B-Rating-Bereich lag.

 Euro-Unternehmensanleihen lieferten im Quartal eine positive Performance. Die entsprechenden Indizes für Investment Grade und High Yield erzielten Zuwächse von 1,7 % bzw. 2,1 % 3.
Die Anleihestrategie im zweiten Quartal war von aktiver und selektiver Steuerung geprägt. Im April wurde die Duration leicht reduziert, indem die zuvor eingegangene Position in 10-jährigen Bundesanleihen abgebaut wurde. Im weiterhin ruhigen Primärmarkt wurden selektiv Titel aus dem Investment-Grade-Segment erworben, etwa Anleihen von HLD Europe und Tikehau, die mit attraktiven Neuemissionsprämien ausgestattet waren.

Erstmals im laufenden Jahr haben wir auch an einer High-Yield-Emission teilgenommen: Die Anleihe des Glücksspielkonzerns Lottomatica wurde von Moody’s wegen verbesserter Fundamentaldaten hochgestuft (auf BB). Nach der Ausweitung der europäischen Spreads 9 im Umfeld des „Liberation Day“ wurde die CDS-Absicherung10 über den iTraxx Main kurzfristig reduziert und zum Monatsende wieder auf das ursprüngliche Niveau zurückgeführt.

Im Mai wurde die selektive Strategie fortgesetzt mit Käufen von Investment-Grade-Anleihen von Matmut und Nexi, die ein attraktives Rendite-Risiko-Profil boten. Im Juni wurde das Engagement ausgeweitet durch Käufe von Nachranganleihen von Informa und Kering sowie Finanzanleihen von Julius Bär und Klésia Prévoyance. Die CDS-Absicherung auf den iTraxx Main Index bleibt bestehen, um das Portfolio vor einer möglichen Rückkehr systemischer Risiken abzusichern.

Die Modified Duration des Anleihesegments lag zum Quartalsende bei 4,2 Jahren, die aktuelle Rendite beträgt 3,3 % (empfohlene Anlagedauer: 3–5 Jahre) 5.

*Der angegebene Effektivzins entspricht der Rendite, die erzielt wird, wenn die Anleihe bis zur Endfälligkeit gehalten wird und die Kuponzahlungen zum gleichen Zinssatz reinvestiert werden.

 

(1) Quelle : Liberation Day bezeichnet die Ankündigung einer neuen US-Handelspolitik durch Präsident Donald Trump im Rahmen seiner sogenannten „Befreiungsrede“ am 2. April 2025..
(2) Der VIX ist ein Maß für die erwartete Schwankungsbreite (Volatilität) an den US-Finanzmärkten. Er wird täglich von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) berechnet.
Die genannten Zahlen beziehen sich auf zurückliegende Zeiträume. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse und nicht konstant über die Zeit. Wertentwicklungen sind in Euro und nach Wiederanlage der Erträge (Netto-Performance) angegeben. Die Zusammensetzung des Managementteams kann sich ändern. Allokationen und Gewichtungen, sowohl geografisch als auch nach Sektoren, sind nicht festgeschrieben und können sich im Rahmen der Anlagegrenzen des Fondsprospekts im Zeitverlauf ändern. Die hier enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
(3) Quelle : Bloomberg, 30/06/2025
(4) „Magnificent 7“: Bezeichnung für sieben US-Technologiewerte: Microsoft, Nvidia, Tesla, Meta, Apple, Alphabet und Amazon.
(5) Quelle : Rothschild & Co Asset Management, 30/06/2025
(6) Quelle: Europäische Zentralbank (EZB), Juni 2025
(7) Investment-Grade-Anleihen: Schuldtitel von Unternehmen oder Staaten mit einem Rating zwischen AAA und BBB- gemäß der Skala von Standard & Poor’s.
(8) High-Yield-Anleihen (Hochzinsanleihen): Schuldtitel von Emittenten mit erhöhtem Kreditrisiko, deren Rating unter BBB- gemäß der Skala von Standard & Poor’s liegt
(9 Spread: Differenz der Rendite zwischen einer Anleihe und einer als „risikofrei“ geltenden Staatsanleihe mit vergleichbarer Laufzeit.
(10) Credit Default Swap (CDS): Ein Derivat zur Absicherung gegen Zahlungsausfallrisiken von Staaten oder Unternehmen. Diese Absicherung bezieht sich auf den Crossover-Bereich des Portfolios, also auf Anleihen mit einem Rating zwischen BB und BBB laut Standard & Poor’s.